Eine mitteleuropäische Legende unter dem Kürzel UTON

UTON ist die Abkürzung für das Militär-Angriffsmesser Modell 75. Es wurde von Soldaten der ehemaligen Tschechoslowakischen Volksarmee verwendet, die bis 1989 im Kalten Krieg auf der gegnerischen Seite des legendären James Bond standen. Es diente Aufklärern, Fallschirmjägern und Fliegern des sozialistischen Lagers zur Selbstverteidigung und zur lautlosen Ausschaltung von Feinden.

Die Entwicklung des Messers begann wahrscheinlich bereits im Jahr 1972. Aus mehreren Versionen, die damals im militärischen Forschungs- und Prüfinstitut Slavičín entstanden, wurde schließlich jene ausgewählt, die wir heute kennen. Und da es in Zeiten der Planwirtschaft keinen Wettbewerb zwischen den Herstellern gab, wurde die Produktion des UTON vom Verteidigungsministerium dem damaligen Staatsbetrieb Mikov übertragen. So gelangte der UTON aus dem Walaschland in die Böhmische Schweiz.

Das Militärmesser mit feststehender Klinge wurde damals aus dem Edelstahl 17029 hergestellt, der mit der MARTFROST-Technologie wärmebehandelt wurde. Dabei handelte es sich um ein tiefes Einfrieren des Stahls nach dem Härten, wodurch das Material die gewünschten Eigenschaften erhielt. Aus Gründen der Geheimhaltung durfte auf der Klinge des Messers kein Herstellerzeichen, sondern lediglich eine Seriennummer (von 0001 bis 0007) angebracht werden. Jedes hundertste Messer wurde Tests und Härtemessungen unterzogen. Auf den so geprüften Messern wurde anschließend das Zeichen der Militärverwaltung eingeprägt.

Die Soldaten trugen die Messer in Scheiden, die aus fünf Lagen mit Nieten verbundenen Rindsleder hergestellt wurden. In der Scheide befanden sich zwei Blechmanschetten. Diese sicherten das Messer gegen ungewolltes Herausfallen. Auch die Scheide durfte kein Herstellerzeichen tragen; Hersteller war damals das Staatsunternehmen KOZAK. In der Scheide befanden sich außerdem Öffnungen für eine Säge und eine Feile, die in den hinteren Teil des Messergriffs eingesetzt wurden. Dieser bestand aus vulkanisiertem Gummi mit der Bezeichnung 137 und wurde angeblich aus Kuba importiert. Damit das Messer nicht in der Hand verrutschte, war der Griff mit feinen Rillen aufgeraut.

Das Messer erfreute sich während seiner gesamten Lebensdauer großer Beliebtheit unter den Soldaten. Als 1989 mit dem Fall des Kommunismus auch die sinnlose Geheimhaltung endete, konnte es auch auf dem zivilen Markt angeboten werden, allerdings nun mit dem Logo des Herstellers. Dieses „zivile“ UTON-Modell unterscheidet sich vom Original neben dem Logo auch durch das Material des Griffs, wobei der ursprüngliche harte Gummi durch einen weicheren, stärker aufgerauten Gummigriff ersetzt wurde.

Seit 1989 entstanden auch limitierte Auflagen des UTON, die entweder speziell für bestimmte Einheiten oder zu bedeutenden historischen Anlässen hergestellt wurden. Die bislang letzte limitierte Serie brachte Mikov 2018 aus Mikulášovice anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der Tschechoslowakei auf den Markt.

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